Lernen mit Kompetenzrastern

Lernen ist eine persönliche Angelegenheit.

Denn Menschen lernen selbst und ständig. Bei schulischem Lernen kommt eine spezielle Komponente dazu: Es hat den Anspruch, zielführend zu sein. Lernende brauchen deshalb ein praktisches Rüstzeug, das ihnen hilft, den Erfolg wahrscheinlich zu machen. Selbstwirksamkeit kann auch umschrieben werden als Gegenteil des Gefühls, ausgeliefert zu sein. Dieses Gefühl der Abhängigkeit kann leicht entstehen, wenn Lehrpersonen unterstützt durch Lehrmittel den Stoff und die Dosierung weitgehend bestimmen.

Selbstwirksames Lernen verlangt nach anderen Arrangements. Lernende müssen ihr Lernen selbst in die Hand nehmen können. Ein methodischer Ansatz dabei: Referenzieren.

Arbeit mit Kompetenzrastern

Beim Referenzieren geht es darum, individuelle Leistungen mit einem Referenzwert in Beziehung bringen. Diesen Referenzwert und damit die inhaltliche Basis bilden so genannte Kompetenzraster. Die Kompetenzraster definieren die Inhalte und die Qualitätsmerkmale der verschiedenen Fachgebiete in präzisen „Ich-kann“-Formulierungen. Kompetenzraster beschreiben, was man in einem bestimmten Fachbereich können könnte. Sie bilden das Curriculum in Form einer Matrix ab. In der Vertikalen werden jene Kriterien aufgeführt, die ein Sachgebiet inhaltlich bestimmen (was?). In der Horizontalen werden zu jedem dieser Kriterien vier bis sieben Niveaustufen definiert (wie gut?).

Zukünftig sollen die Kompetenzraster zusätzlich die beruflichen Anforderungen für die einzelnen Ausbildungsberufe beschreiben. GIB Thun
Kompetenzraster stecken einen Entwicklungshorizont ab (Horizont-Didaktik), indem sie in differenzierter Weise den Weg beschreiben von einfachen Grundkenntnissen bis hin zu komplexen Fähigkeitsstufen. Zukünftig sollen die Kompetenzraster zusätzlich die beruflichen Anforderungen für die einzelnen Ausbildungsberufe beschreiben (siehe hierzu im Internet auf der Seite: „Gewerblich Industrielle Berufsfachschule“ GIB Thun). Kompetenzraster schaffen Orientierung für die Schülerinnen und Schüler. Damit wird das Fundament gelegt für ein individuelles Lernen, das nicht Gefahr läuft, irgendwo in Frust oder Beliebigkeit zu enden. Denn die Lernenden können erkennen, wo sie stehen. Und sie können sehen, was die nächsten Schritte sind. Die Ziele sind klar. Sie sind der individuellen Situation angepasst. Das wiederum erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit.

Kompetenzraster als individuelle Leistungsstandserhebung

Kompetenzraster begleiten den Lernprozess und machen die Entwicklung eines gemeinsamen Qualitätsverständnisses möglich. Bedingung ist freilich, dass die Lernenden mit den Rastern arbeiten. Auf diese Weise sind sie nicht einfach von einer Leistungsbeurteilung betroffen. Sie sind aktiv daran beteiligt. Wenn schulisches Lernen stärker mit dem Wort „selbst“ verbunden werden soll, braucht es die Lernenden dazu. Das heißt: Sie müssen sich als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems fühlen. Kooperatives und partnerschaftliches Arbeiten verlangt nicht nur nach einem Klima des Vertrauens, sondern nach einer Klärung der Erwartungen.
Lernende müssen wissen, was individuell gesehen „gut“ ist, damit sie „gut“ sein können.Michael Szymanski

SELKO-PLakat

Schulisches Lernen hat unter anderem auch den Anspruch, zielführend zu sein. Lernen ist immer ein individueller Konstruktionsprozess. Der Versuch, diesem Prozess eine Richtung zu geben, basiert auf einem Denken und Handeln in Zielen. Es macht einen wesentlichen Unterschied, um wessen Ziele es sich handelt. Klar, wer nicht fähig oder willens ist, eigene Ziele zu entwickeln, wird sich den Zielen anderer – zum Beispiel der Lehrer – anzupassen haben. Dadurch entstehen Abhängigkeiten, entsteht Macht und Ohnmacht. Lernen soll eigentlich von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit führen.

Lernende müssen lernen, (schulische) Ziele zu haben. Und sie müssen lernen, ihre Ziele und Vorstellungen zu verbalisieren.

Lernen soll von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit führen.
Mit der Versprachlichung entwickeln sie ein inneres Bild dessen, was entstehen soll. Es geht auch darum, sich im Klaren zu sein über den Zweck der Arbeit. In welchem Zusammenhang steht sie? Was ist der Anlass, sich mit einem bestimmten Thema auseinander zu setzen?

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